Leseprobe
Das Schwert der Sirai

Buch

"Eine Taverne, die `einbeiniger Munek´ heißt, was ist davon schon zu erwarten?" Esteron kratzte sich mit dem Nagel seines rechten Zeigefingers im Ohr und verrieb ein Kügelchen zwischen den Fingern, bevor er es in den Schmutz der Gasse schnippte.
"Was das für eine Taverne ist, ist mir egal. Ich will dort nicht essen und nicht übernachten. Ich will nur eine Information und jetzt komm." Kalande drehte sich um und warf Esteron unter dem rehbraunen Haar ihres Ponys hervor einen wütenden Blick zu. "Seit wir nach Amrahl gekommen sind, hast du nichts als alberne Bemerkungen gemacht. Ich frage mich langsam, warum ich dich überhaupt angeheuert habe, mir bei meiner Suche zu helfen?"
"Weil du meine Findigkeit brauchst", schlug Esteron mit unbeteiligter Miene vor. "Schließlich bin nicht ich es, der ein Schwert verloren hat und jetzt durch das Land reist, um es wiederzufinden. Seit wir durch dieses dreckige Amrahl laufen, habe ich mindestens vier Schmieden gesehen und in jeder kann man ein Schwert kaufen. Und wenn du ein paar Tage Zeit hast, fertigt der Schmied dir sogar eines nach deinen Vorgaben an. Das war schon in Sastron so, in der Stadt davor und in der davor auch."
"Ich suche nicht ein Schwert, ich suche mein Schwert. Das ist ein großer Unterschied. Ich gehöre zu den Sirai des Königs - zu seinen Leibwachen, und ich habe einen Eid geschworen auf mein Schwert. Es ist ein Teil von mir. Wenn wir getrennt werden, muss ich eines langsamen Todes sterben." Kalande war in den Ton verfallen, in dem man zu einem begriffsstutzigen Kind sprach.
"Und doch hast du es dir so leicht stehlen lassen wie einen alten Schuh", unterbrach Esteron ihren Redefluss.


"Sonnenfeuer", herausgegeben von Christel Scheja, 2006
Legendensänger Edition
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